[aid - 06.03.2013] Nicht alle Öko-Betriebe bleiben: Gründe für den Ausstieg untersucht
(aid) - Seit dem Jahr 1990 hat der Biolandbau in Deutschland kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Dennoch steigen jedes Jahr rund 600 Öko-Betriebe wieder aus. Das hat eine Untersuchung des Thünen-Instituts in Braunschweig ergeben.
In der Regel ist die Entscheidung gegen den Ökolandbau auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Neben wirtschaftlichen Aspekten spielen fehlende Entwicklungsperspektiven und Probleme mit Ökorichtlinien und -kontrollen eine große Rolle. Für die Studie hatten die Wissenschaftler des Thünen-Instituts in Kooperation mit der Universität Kassel statistische Daten ausgewertet sowie Experten und Verbände des ökologischen Landbaus befragt. Zudem machten abgemeldete Öko-Betriebe in Fragebögen und persönlichen Interviews Angaben zu den Gründen ihrer Entscheidung.
Von 2003 bis 2010 sind jedes Jahr im Durchschnitt 191 Öko-Betriebe aus der Landwirtschaft ausgestiegen und weitere 415 Betriebe zur konventionellen Wirtschaftsweise zurückgekehrt. Ein Großteil der Unternehmen, die die ökologische Erzeugung einstellten, hat die Landwirtschaft im Nebenerwerb und mit einer relativ geringen Fläche betrieben. Meist sind die Betriebsleiter älter als 55 Jahre. Von den befragten Rückumstellern blickten zwei Drittel auf maximal zehn Jahre ökologische Bewirtschaftung zurück. Relativ häufig steigen Schaf-, Ziegen- und Rindermastbetriebe aus. Der Ausstieg aus dem Ökolandbau schaffe Möglichkeiten, den Betrieb neu auszurichten und etwa die Produktion zu erhöhen.
Die Entscheidung gegen den Ökolandbau zieht sich meist über mehrere Jahre hin und erfolgt in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen: zu geringes Einkommen, Schwierigkeiten bei der Vermarktung, geringe Preisaufschläge für Bio-Produkte und niedrige Ökoprämien, hohe Kosten für Ökokontrolle und -zertifizierung. Auch der hohe zeitliche Aufwand für Nachweise und Kontrollen, komplizierte und zu strenge Ökorichtlinien und Probleme bei der Umsetzung der Ökostandards werden als Gründe genannt. So ist zum Beispiel die 100-prozentige Biofütterung von Schafen und Rindern für viele Betriebe schwer umzusetzen. Schwierigkeiten bei der Produktion, wie geringe Erträge, sind dagegen selten der ausschlaggebende Punkt.
Auch wenn Rückumstellungen nicht vollkommen vermieden werden können, lasse sich die Quote verringern, meinen die Autoren der Studie. Wichtige Punkte seien eine verbesserte Umstellungsberatung, eine verlässliche Förderung des Ökolandbaus und transparente sowie praktikable Richtlinien. Auch einheitliche und vereinfachte Ökokontrollen und bessere Vermarktungsbedingungen würden sich vorteilhaft auswirken.
Heike Kreutz,
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